Tage Alter Musik Regensburg 2024 35 Die Dreieinigkeitskirche war Schauplatz für das dritte Konzert der Tage Alter Musik. Bach macht wach morgens um elf, speziell die Musik-Nachtschwärmer. Der belgische Organist Bart Jacobs hatte (wie schon Bach) Sätze aus Arien, Instrumentalsinfonien und Kantaten neu arrangiert, teils rekonstruiert. Er wählte die Form dreiteiliger Concerti (in D, g und G) für Orgel und Orchester. Sein Partner war das belgische Ensemble „Les Muffatti“. Die Kirche bot sich an wegen der neuen Ahrend-Orgel (2020), die mit ihren 48 Registern speziell für die Musik Bachs konzipiert wurde. Die Musici saßen beim Organisten auf der oberen Empore, es war richtig und wichtig, mehr Kontakt zum Publikum über eine gut geführte Videoübertragung ins Kirchenschiff herzustellen. Das Konzept, Gesangs- oder Instrumentalstimmen der Orgel zu übertragen, funktionierte erstaunlich gut. Orgel und Orchester (Konzertmeister: Ryo Terakado) spielten auch ohne Dirigent prima zusammen, Bart Jacobs fand immer wieder neue, gut ausbalancierte Registrierungen der Solostimme (rechte Hand), musizierte blitzsauber und mit lebendiger Artikulation. Mit der linken ergänzte er die Akkorde. Das Pedalspiel der Generalbass-Stimme war allerdings meist nur zu sehen, nicht zu hören. Besonders in Erinnerung blieben aus dem g-Moll-Concerto die seufzerreiche Aria nach BWV 57 und das schwingende Presto nach BWV 1056R. Als Solist überzeugte Jacobs mit der Passacaglia c-Moll BWV 582, bei der er kühle Klarheit und sorgsame Stimmführung obenan stellte. Wohl in Kenntnis der Aufführungsgeschichte des Werks nahm er Abstand von einer romantischen „Instrumentierung“ eines zwölfminütigen Crescendo, sondern arbeitete mit unaufwendigen Manual- oder Registerwechseln zwischen den Variationen. Wie schon bei den Concertos offenbarte die Orgel einen schlanken Klangcharakter, der im Pleno bei der Fuge von den reich besetzten Mixturen dominiert wurde. Auch beim fünften Konzert waren amNachmittag Concerti das Thema, diesmal für Solovioline und Orchester, dazu zwei italienische Sinfonias und eine französische Ouverture. Aus den zwei zugehörigen Schulen stammten die Autoren: Antonio Vivaldi (1678-1741) und Jean-Marie Leclair (16971764). Die Musiker des Ensembles „Les Ombres“ (Künstlerische Leitung: Sylvain Sartre) zählen zur jungen Generation. Sie sind in Frankreich beheimatet wie auch der Violinist Théotime Langlois de Swarte, der seinen 30. noch nicht gefeiert hat. Schon beim ersten Ton der Sinfonia in C RV 111a von Vivaldi ließen „Les Ombres“ aufhorchen: Ihr hellwaches freudvolles Musizieren, ihr seismografisches Reagieren, ihre blitzschnellen Dynamik- und Klangfarbenwechsel, ihr jugendlich loderndes Affekt-Feuer sind in der obersten Liga anzusiedeln. Erwartungsgemäß kennen sie den französischen Barockstil aus dem Effeff: Die typischen punktierten Rhythmen in Leclairs Ouverture zu „Scylla und Glaucus“ hörte man selten so auf den Punkt gebracht: Selbstbewusst, ein wenig herrisch, aber voll nobler Würde. Viele dieser Qualitäten hat wohl Konzertmeister Théotime Langlois de Swarte inspiriert, auch sein überragendes geigerisches Talent gehört in den musikalischen Parnass. Er verfügt über eine blitzschnelle, bombensichere linke Hand, dazu eine außerordentlich variable und sensible Bogenführung, mit der er Töne feinfühligst artikulieren und klanglich entwickeln kann. Ein Erlebnis waren auch die langsamen Sätze, wenn Théotime nach überschäumender Virtuosität eine weltentrückte, doch herzerwärmende Atmosphäre zauberte. Das war zu erleben bei den Concerti op. 7/5 (Leclair), sowie bei denen in h RV 384 und in C RV 179a „Per Anna Maria“ (Vivaldi), eine Weltpremiere, bei der man auch seine Verzierungs- und Kadenzierungskunst bestaunen konnte. Nicht unerwähnt sei auch die vorzüglich führende Cellistin Hanna Salzenstein. Tumultartiger Jubel, die Musiker wurden erst nach drei Zugaben entlassen. Zwei Konzerte, die hellwach machten Kühle Klarheit mit Bach, Organist Bart Jacobs und „Les Muffatti“ aus Belgien – Tumultartiger Jubel für das Ensemble „Les Ombres“ Peter K. Donhauser // 21. Mai 2024 Les Ombres in der Basilika St. Emmeram Bart Jacobs und Les Muffatti auf der Orgelempore der Dreieinigkeitskirche
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